- Boemmel: “… und wenn
die Dampfmaschine Raeder hat, dann ist es eine Lokomotive – vielleicht sogar
ein Lokomobil.”
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- Frau Windscheid: “Ach
komm an mein Herz mein Kind.”
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- Lehrersitzung: (v.l. Boemmel, Direktor, Eva
(Referendarin), Schnauz)
- Schild: “Wegen baulicher Veraenderungen bleibt
die Schule heute geschlossen.”
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- Geschichte zur Auffuehrung der „Feuerzangenbowle“
- (4-7.Dezember 2002, University of Bath)
-
- 1998 war
das letzte Jahr meines Diplomstudiums der Chemie in Jena. Es war Tradition
unter uns Chemiker eine Abschiedsshow zu geben. Mein Jahrgang entschied sich
„Die Feuerzangenbowle“ als Rahmenhandlung zu nehmen: Der neugewaehlte
Vorstandschef der „Tiefst AG“ gibt zu, dass er niemals Chemie studiert hat,
sondern nur Jura. Die entsetzte Reaktion: „Was, Sie haben nie Chemie studiert?
Dann muessen Sie nocheinmal zurueck zur Universitaet!“ Und dann ging es weiter
in einer sehr freien Version der Feuerzangenbowle. Die Rolle, die ich vom Film
am meisten mochte war die des Professor Crey, alias der „Schnauz“.
Gluecklicherweise besass ich eine Videoaufnahme des Filmes und so lernte ich
die Art und Weise dieses Charakters zu spielen durch wiederholtes Ansehen und
Nachsprechen der relevanten Szenen. Ebenso las ich den Roman „Die
Feuerzangenbowle“ und lernte so mehr ueber die Geschichte.
- Seit dieser
Zeit hatte ich ein starkes Interesse an ihr und als ich in meinem ersten Jahr
meins Doktorstudiums in Bath, England, dem dortigen Theaterklub beitrat bekam
ich die Idee „Die Feuerzangenbowle“ in Englisch aufzufuehren.
- Als erstes
versuchte ich herauszufinden ob eine Buehnenfassung existiert. Durch eine Suche
im Internet fand ich einen Artikel einer Radiosendung, 1-2 Jahre alt, die ueber
eine Auffuehrung der „Feuerzangenbowle“ berichtet. Von dort bekam ich die
Adresse des fraglichen Theaters, der Landesbuehne Dresden. Diese gab mir dann endlich
die Adresse der Firma, die die Rechte an der Buehnenfassung der
„Feuerzangenbowle“ besitzt, der Gustav Kiepenheuer Buehnenvertriebs GmbH. Diese
sagte mir, dass keine englische Fassung existiert, erlaubte mir aber das Stueck
zu uebersetzen.
- Es dauerte
allerdings bis Februar/Maerz 2001 bis ich das Skript erhielt. Zu dieser Zeit
spielte ich in dem Musical „Cabaret“ und konnte mich nicht um die Uebersetzung
kuemmern. Danach war es zu spaet andere Studenten vor den Sommerferien zu
finden um mir dabei zu helfen. Im August 2001 allerdings erhielt ich eine Mail
von Studenten, die gerade eine Webseite genannte „Translateforfree“ aufgemacht
hatten. Es waren Studenten, die Deutsch studieren und sich durch diese extra
Arbeit ihren Lebenlauf aufwerten. Sie uebersetzten die ersten drei Szenen (von
insgesamt 15) des Stueckes. Das gab mir wieder Hoffnung die Uebersetzung doch
noch rechtzeitig fertig zu haben. So nahm ich im Oktober 2001 einen neuen
Anlauf. Nach und nach fand ich genuegend Uebersetzer fuer alle Szenen –
Studenten der University of Bath und Mitglieder der Bath German Society
(teilweise ehemalige Deutschlehrer im Ruhestand). Ich selbst habe eine Szene im
Zusammenarbeit uebersetzt. Zusaetzlich kuemmerte ich mich um Dinge, die nicht
so leicht zu uebersetzen sind. So ist zum Beispiel in Szene 6 die gesamte
Schlussszene der „Jungfrau von Orleans“ von Friedrich Schiller enthalten. Ein
Buch, das dieses Drama enthielt war in England nicht zu erhalten, so bestellte
ich es von dem Friedrich Schiller Institut in Washington. In Szene 5, wo
Pfeiffer in Geographie mit Hilfe eines Spiegels vorsagt, spielte der Direktor
darauf hin an, indem er Knebel fragte nach einem Vogel genannt Pazifischer
Braunachselgoldregenpfeiffer. Nun in englisch ist das in etwa: Pacific Golden Plover.
Da das als Wortspiel nicht funktioniert suchte ich in einem Biologiebuch nach
alternativen Vogelnamen, die etwas mit Licht, Spiegel, Strahl oder Reflektion
zu tun haben. Schliesslich fand den idealen Namen: Shining Sunbeam (ist ein Kolibri).
- Mitte Maerz
2002 war die (grobe) Uebersetzung fertig und ich legte sie sofort dem
neugewaehlten Kommittee des Theaterklubs vor. Es dauerte allerdings bis Juni
2002 bis ich Bescheid bekam. Es war leider nicht die Antwort auf die ich
gehofft hatte. Sie sagten zwar, dass sie mich unterstuetzen wollten, aber
Finanzierung woanders suchen sollte und den ueblichen Dezembertermin fuer ein
anderes Stueck schon verplant hatten. Nun hatte ich gute Gruende „Die
Feuerzangenbowle“ schon im Dezember 2002 aufzufuehren. Erst einmal war es das
dritte und letzte Jahr meiner Doktorarbeit – ich haette eigentlich in keinem
Stueck mehr spielen sollen, aber ich hatte in dieses Stueck schon zuviel Zeit
investiert – und deshalb wollte ich es moeglichst schnell durchfuehren und
zweitens sollte es rechtzeitig aufgefuehrt werden um in den Wettbewerb fuer das
National Studentdramafestival (April 2003, Bescheid bekommen wir 4 Wochen
vorher) eingebracht werden zu koennen. Der dritte, wenn auch weniger wichtige
Grund war, dass Dezember auch Feuerzangenbowlezeit ist.
- Ueber
Sommer 2002 verbesserte ich (soweit es mir moeglich war) die Uebersetzung und
suchte nach Sponsoren fuer das Stueck. Von der Kulturabteilung der Deutschen
Botschaft in London erhielt ich £100 aber alle moeglichen Firmen die ich anschrieb
lehnten ab. So vorfinanzierte ich den Rest.
- Anfang
Oktober 2002 galt es dann erst einmal einen Regisseur, und dann die
Schauspieler zufinden. Ich selbst reservierte die Rolle des Professor Crey
alias Schnauz (oder Tash in Englisch) fuer mich. Einen guten Regisseur fand ich
rasch, Schauspieler waren schwieriger, da durch das zweite Stueck weniger Leute
verfuegbar waren. Die Buehnenfassung der „Feuerzangenbowle“ ist naeher an dem
Roman als der Film, musste allerdings gekuerzt werden um zwei Stunden Auffuehrungszeit
nicht wesentlich zu ueberschreiten. So wurde die Maedchenschule herausgenommen
und nur hin und wieder mal erwaehnt. Um Eva, des Direktors Tochter zu behalten,
wurde sie zur Referendarin gemacht, die am Penal vertretungsweise
Musikunterricht gibt. Selbst mit diesen Kuerzungen ist die Besetzung mit 14
Schauspielern recht gross. Als wir mit Proben Mitte Oktober 2002 anfingen
hatten wir nur 6, einschliesslich mir. Wenigstens hatten wir einen Studenten
fuer die Rolle des Pfeiffer und den Musik Regisseur – das Stueck enthaelt 5-6
deutsche Volkslieder, wovon wir jeweils eine Strophe in englischer Uebersetzung
verwendeten. Weitere Leute zu finden war schwierig. Die Rolle des Produzenten
musste ich letztenendes selbst uebernehmen aber durch weiderholtes Aussenden
von e-mails und Aushaengen von Plakaten (dazu gab ich dem Stueck den englischen
Untertitel „The Punch“ (von flaming red wine punch) da „Die Feuerzangenbowle“
fuer Nichtdeutsche nicht sehr ansprechend ist) waren wir schliesslich 2 ½
Wochen vor Auffuehrung in der Lage unsere Besetzung zu vervollstaendigen. Bis
dahin hatten wir Sonnabends und Sonntags jeweils etwa 4 Stunden geprobt, danach
zusaetzlich 2-3 Studenen an 2-3 Wochentagen. 4 Tage vor Premiere liess uns der
Darsteller, der Mehlworm (bei uns Seliger) spielen sollte im Stich, aber da
seine Rolle recht klein war, konnten wir sie unter den anderen Schuelerrollen
aufteilen.
- 1-2 Wochen
vor Auffuehrung kuemmerte ich mich um die Werbung. Zusaetzlich zu den ueblichen
Plakaten nahm ich Kontakt mit der lokalen Zeitung, dem „Bath Chronicle“ auf.
Ich hatte mit ihnen zwei Telefoninterviews und ein Photograph kam vorbei um
Bilder einer Feuerzangenbowle (speziell des brennenden Zuckerhutes) zu
machen. Der anschliessende Artikel
(siehe datei) brachte mir einigen Aerger. Durch die nicht gerade guenstig
gewaehlte Ueberschrift: „Trotz des Feuerwehrstreiks findet ein Feuerspektakel statt“
wurde der Chef des Departments wo das Stueck stattfand (wir mussten einen
gewoehnlichen Hoersaal nehmen, da der Theaterhoersaal schon von der Tanzgruppe
gebucht war) alarmiert und bewegte die Sicherheitleute die Auffuehrung des
Stueckes (zumindest des Feuerzangenbowlesteils zu verbieten). So suchte ich die
Feuerwehrleute auf und fragte sie, ob nicht ein paar Leute von ihnen (fuer
freien Eintritt) sich in den Raum, wo das Theaterstueck spielt hinein setzen.
Diese sagten aber, das Streik ist Streik. Gluecklicherweise wurde der
Feuerwehrstreik zwei Tage vor der Premiere suspendiert und ich konnte in der
Eroeffnungsszene eine echte Feuerzangenbowle (mit einem richtig schoenen
Kupferkessel, noch aus DDR-Zeiten, wird glaube ich gar nicht mehr hergestellt)
machen und diese (warmgemacht) in der Pause an die Zuschauer ausschenken was
auch gut ankam. Davon haben die Darsteller waehrend der Vorstellungen
natuerlich nicht abbekommen aber dafuer manchmal waehrend der Proben und in
Szene 9 (die mir der alkoholischen Gaerung) bekammen sie echten
Heidelbeerwein in Reagenzglaesern serviert (man sieht auf den einen Bild
wie engagiert sie dafuer Schlange stehen.)
- Die
Auffuehrungen selbst waren ein Erfolg, die Stimmung wurde von Tag zu Tag besser
und am letzten Tag bekam ich ab dem dritten „Setzen Sie sich, sie sind albern!“
(Be seated, you are foolish!) jedesmal einen Lacher. Unsere Besetzung mochte das
Stueck ebenfalls und ich wurde schon gefragt, ob wir nicht irgendwann „Die
Feuerzangenbowle II“ spielen wollen. Die gibts natuerlich nicht, jedoch habe
ich das Stueck in den Wettbewerb fuer das NSDF (National Studentdrama Festival
eingebracht) und falls wir angenommen werden, werden wir noch ein paar
Vorstellungen dort im April in Scarborough geben.
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- Andreas
Speck
- Produzent,
Uebersetzungsleiter und Prof. Crey alias „Schnauz“ (engl. „Tash“)
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